Hühnerbändigerin                                    
        
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Bob und Marian Bailey und Keller Breland

Zu den Personen ist leider sehr wenig im Internet zu finden, und wenn, dann in englischer Sprache. Sie sind unter anderem als Begründer der "Chicken Camps" zu nennen. Keller Breland und Marian Bailey sind inzwischen verstorben, aber Bob Bailey nimmt zum Teil noch aktiv am Trainingsgeschehen teil.

Mehr zu ihnen und ihrer Arbeit zitiere ich mit freundlicher Genehmigung des Kynos-Verlages aus dem Buch "Wie der Mensch, so sein Hund" von Dr. Sopia Yin (genauere Angaben am Ende des Textes):

"Marian und Bob haben zusammen über 140 verschiedene Tierarten trainiert, was alleine schon beeindruckend ist. Die Beiträge, die sie (und vor allem Marian) zum Thema Tiertraining geleistet haben, gehen aber weit über bloße Zahlen hinaus. Marian und ihr erster Ehemann Keller Breland waren Vorreiter im Themengebiet operante Konditionierung, als man sich gerade erst wissenschaftlich damit zu beschäftigen begann. In den 1940er Jahren hatten beide unter B.F. Skinner studiert. Ihre Studien wurden durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, als Skinner seine Arbeit an der Universität vorübergehen ruhen ließ, und stattdessen ein Projekt für die US Navy leitete, in dem Tauben zur Lenkung von Missile-Raketen trainiert werden sollten. Marian und Keller machte er dabei zu seinen Assistenten, und in diesem Projekt sammelten die beinden unschätzbar wertvolle praktische Erfahrungen mit den schwierigsten Prinzipien der operanten Konditionierung - Aspekte, über die sie zwar in der Universität gelesen, die sie aber nie in ihrer Anwendung gesehen hatten.

Überraschenderweise waren es die einfachen Prinzipien, die beide dazu brachten, ihre berufliche Zukunft im Tiertraining zu suchen. Solche wie das Prinzip des Formens, bei dem man mit einem einfachen Verhalten beginnt, welches das Tier bereitwillig anbietet, und anschließend allmählich nur noch diejenigen Verhalten bestärkt, die dem gewünschten Endverhalten am ähnlichsten sind.

"Skinner hatte die Fernbedienung einer elektrischen Fütterungsanlage in der Hand, die außerhalb der Trainingsbox angebracht war," erinnert sich Marian an ein Detail des Projektes für taubentgesteuerte Bomben. "Irgendwann nahm er eine der Tauben aus der Trainingsbox heraus und arbeitete am Formen ihrer Reaktion, weil sie aus irgendeinem Grund nicht das Zielobjekt anpickte. Also demonstrierte Skinner den Formungsprozess. In diesem Momemt begriffen Keller und ich, wie machtvoll dieses System ist. Wir waren richtig aufgeregt deswegen. Wir beschlossen, dass wir nach dem Krieg unbedingt etwas machen wollten, wo wie diese Methode anwenden konnten."

Weil beide keinen Abschluss in Medizin oder Psychologie gemacht hatten, war klar, dass sie mit dieser Technik keine Menschen würden behandeln können. Da sie aber beide Tiere mochten und mit den verschiedensten Tierarten vertraut waren, beschlossen sie, ihre berufliche Zukunft mit ihnen zu gestalten.

Sie gründeten das Unternehmen "Animal Behavior Enterprises" (ABE) mit dem Ziel, einen besseren, wissenschaftlicheren Weg zum humanen Training von Tieren mittels positiver Bestärkung aufzuzeigen. Sie begannen mit Hunden, weil sie annahmen, dass die Hundehalter bei der riesigen Zahl unerzogener Hunden in den USA schon bald bei ihnen Schlange stehen würden. "Wir hielten es für eine todsichere Sache," sagt Marian. Was das Training betraf, war das auch so, aber die Idee war einfach ihrer Zeit noch weit voraus. Tiertrainer verteufelten die neue Methode mit der Begründung, dass Menschen schließlich schon seit Jahrhunderten Hunde erziehen.

Marian und Keller ließen sich davon nicht aus der Bahn werfen und konzentrierten sich auf eine neue Richtung. In den kommenden 47 Jahren produzierte ABE massenhaft trainierte Tiere für eigenen Vorführungen oder Tiershows im ganzen Land. Zu ihren besten Zeiten trainierten sie etwa 1000 Tiere gleichzeitig für Firmen wie zum Beispiel General Mills. Außerdem arbeiteten sie in der Forschung zum Tierverhalten und in Trainingsprojekten für das Militär oder für die Show "Marineland" in Florida und "Parrot Jungle" - wo sie unter anderem die heute schon traditionelle Delfin- und Papageienshow ins Leben riefen.

Die ganze Zeit über zeichneten sie akribisch alle Daten zu ihren Trainingsstunden auf und publizierten einige wegweisende Veröffentlichungen in renommierten Wissenschaftszeitschriften.

Psychologen, Tiertrainer und Verhaltensforscher aus der ganzen Welt kamen nach Hot Springs, um Marian und Keller zu sehen. Sie bildeten viele Tiertrainer aus, die später an Orten wie Busch Gardens oder Sea World tätig wurden. Marian hatte großen Anteil an der Verbreitung der neuesten Methoden im Training von Menschen und Tieren.

Bis Keller im Jahr 1965 starb, hatten die beiden in ihrer gemeinsamen Zeit nicht nur das Fachgebiet "angewandte Tierpsychologie" begründet, sondern sich auch in vielen anderen Dingen den Ruhm gesichert, die ersten gewesen zu sein: ABE war das erste Unternehmen, das mit operanter Konditionierung arbeitete (1943); sie gründeten die erste Schule, an der angewandte operante Konditionierung gelehrt wurde und gaben das erste Lehrbuch dazu heraus (1947-48); sie schufen die ersten Delfin- und Vogelshows mit operanter Konditionierung (1955); die erste automatisierte Tiertrainingseinrichtung zu kommerziellen Zwecken (1951); die erste automatische münzbetriebene Tiershow (1953) und den am längsten gesendeten Fernsehwerbespot aller Zeiten (Buck Bunny, 1954 - er lief 20 Jahre lang). Ihre Tiere traten auf so gut wie in jeder größeren Messe und Veranstalung auf.

Von all diesen Leistungen empfand Marian aber eine als besonders bedeutsam: "Wir haben dazu beigetragen, die Wissenschaft vom Verhalten zu den Tiertrainern zu bringen. Wir haben sie dazu ermutigt, die operante Konditionierung zur Verhaltensanalyse in vielen Bereichen der Arbeit mit Tieren anzuwenden - in medizinischen Bereichen, im Bereich der Nutztierhaltung oder zu Showzwecken. Die operanten Methoden wurden in vielen Bereichen übernommen und erfolgreich angewendet. Das war ein großer Lohn für uns."

Die Methoden wurden sogar so allgegenwärtig, daß die meisten Trainer heute nicht mehr wissen, wo sie ursprünglich herkamen. "Eine Sache wurde lange Zeit übersehen," sagt Bob Bailey, "nämlich dass es die Brelands waren, die noch über die Arbeit von Skinner und anderen Psychologen hinaus als erste die Bedeutung un die weiten Anwendungsmöglichkeiten des Überbrückungssignals erkannten. Und das schon 1943."

Und sie hatten Recht. Das Überbrückungssignal - meist ein Pfiff oder ein Klickgeräusch aus einem Klicker - wird heute in allen Meeressäugershows oder zum Training von Zootieren verwendet. Und vierzig Jahre, nachdem die Brelands es als erste zur Verwendung in der Hundeausbildung vorgestellt hatten, wurde es endlich auch in der Hundewelt als "Klickertraining" wahr- und angenommen."

Der oben angeführte Text ist ein Zitat aus diesem empfehlenswerten Buch:

Wie der Mensch, so sein Hund!   Wie der Mensch, so sein Hund - Erziehungsprogramm für Hundehalter
   
Original: "How to Behave, So Your Dog Behaves"
   Yin, Dr. Sophia, 2006
   Kynos Verlag, ISBN
3938071133, EUR 19,90
   
hier bestellen

   
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Blick hinein (englische Ausgabe)



Noch mehr Infos über Bob Bailey
(Auszug aus dem Skript für das erste Modul, mit freundlicher Genehmigung von Viviane Theby)

"Bob Bailey war eigentlich Physiker. Er interessierte sich aber schon von klein auf für Tiere. Er las über die Arbeiten von Skinner und Breland. Dann wurde er als Trainingsdirektor der US Navy eingestellt, ohne je zuvor im Leben mit Delfinen gearbeitet zu haben.
Dort traf er auf Marian und Keller Breland, die eingeladen waren, die Trainer zu unterrichten. Er ging daraufhin für 2 Wochen mit ihnen nach Hot Springs, wo sie ihre Firma hatten.

Dor sah er das erste Mal eine Apparatur, bestehend aus 12 Käfigen. Ca. 3 Meter davor saß ein Mensch mit einer Art Tastatur. In den Käfigen waren also 12 Hühner, die unterschiedliche Dinge lernen sollten, wie z.B. an einem Gummiband zu zieheh, einen Ping-Pong-Ball zu picken oder auf einer Plattform zu tanzen.
Zeigte das entsprechende Huhn das richtige Verhalten, konnte der Mensch es über die Tastatur belohnen. Bob hätte vorher nie für möglich gehalten, dass ein Mensch 12 Tiere auf einmal trainieren kann. Das ganze war natürlich sehr anstregend und die Trainer machten es jeweils nur für 4 Stunden täglich.

Es gab sogar Trainer, die trainierten 18 Tiere auf einmal. Die hatten zusätzlich zu den 12 Hühnern z.B. noch 2 Hunde und 4 Katzen.

Es gab einen Trainer, zusammen mit den Brelands Bobs grösstes Vorbild, Kent Burches, der trainierte 18 Tiere und konnte sich gleichzeitig noch mit einem über den örtlichen Fischerverein unterhalten!

In dieser Firma musste übrigens jeder Mitarbeiter an dieser Anlage arbeiten, auch Buchhalter, Sekretärinnen oder Putzfrauen. Denn alle sollten wissen, womit sich die Firma das Geld verdient. Die arbeiteten dann aber "nur" mit 1-2 Tieren.

Als Bob später von den Brelands als Versuchsdirektor angestellt wurde, brauchte er ein Jahr, bevor er in der Lage war, 12 Hühner auf einmal zu trainieren. Aber er hatte den Ehrgeiz und wollte das unbedingt schaffen, sonst hätten die Trainer ihn nie respektert."


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